DAS EVANGELIUM MIT EINER GANZ ANDEREN BRILLE GELESEN ….

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.
Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.
Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.
Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

  … Keine Ahnung, ob es vermessen wirkt, wenn ich versuche sozusagen den Part Jesu zu übernehmen
und einen Erklärungsversuch starte, wenn ich mir überlege, was er damals seinen Freunden gesagt hat.
Für mich steckt in dieser frohen Botschaft in der Tat eine gute Nachricht für uns heute. 
Wenn ich aufmerksam zuhöre, höre ich immer wieder, was noch alles getan und erledigt werden muss,
wie Menschen damit rechnen, dass ich sofort antworte und wie in allen der Druck wächst, der im Schlager so besungen wurde…

muss nur noch kurz die Welt retten, 148 mails checken …
ich hab so viel zu tun …

Genau dagegen steht für mich dieses Evangelium. Die Saat, die von allein wächst, schenkt mir die Zeit, einmal abzuschalten, nicht erreichbar zu sein,
Zeit einzuräumen …
oder um es auch wieder biblisch zu sagen, mit den 7. Tag der Schöpfung zu gönnen. Gott durfte nach 6 Tagen erschöpft sein, dann doch erst recht ich.
Um noch einen anderen Impuls ins Spiel zu bringen: 
Viele fragen sich - innerhalb und außerhalb der Kirche - was sollte, was kann, was muss die Kirche heute anbieten, damit sie ihre Systemrelevanz beweist: 
Für mich ist die Antwort klar: Das erste - zu beherzigen, dass die Welt durch Gott gerettet ist, 
und eben diesen 7. Tag mit seinem besonderen Angebot gemeinsam das Leben zu feiern:

Christa Peikert-Flaspöhler hat dieses Angebot einmal so formuliert:
Ihr sollt nicht kommen, dem Trott der Gewohnheit folgend, dem Zwang der Verhältnisse dienend, dem Druck des Gebotes gebeugt: ohne Wunsch, ohne Willen, ohne Freiheit, ohne Freude. 
Mit der Liebe, die nichts für sich behält, lade ich euch ein. Als Bruder, als Freund, als der, dem ihr alles bringen dürft, was euch freut, was euch quält, was euch ängstigt, was euch zornig macht, warte ich auf euch.

 …. die Saat wächst von allein ….
eine Wirklichkeit, die vielleicht mehr in den Mittelpunkt gerückt werden muss ...

 

Stephan Hartmann, Dekan

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