das Evangelium mit einer ganz anderen Brille gelesen ….

Aus dem Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sagten viele seiner Jünger, die ihm zuhörten: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?
Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten,und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
Der Geist ist es, der lebendig macht;das Fleisch nützt nichts.
Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.
Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben.
Jesus wusste nämlich von Anfang an,welche es waren, die nicht glaubten,
und wer ihn ausliefern würde.
Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt:
Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm umher.
Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt:
Du bist der Heilige Gottes.


ein tröstliches Evangelium ist diese gute Nachricht für mich, wenn ich daran denke, dass auch Jesus Schwierigkeiten hatte, seine Botschaft zu vermitteln. 
Wenn ich heute manchmal erlebe, wie eine Kommunikation nicht gelingt, weil wie so schön heißt, Sender und Empfänger nicht auf der gleichen Wellenlänge kommunizieren, 
dann ist dieses Evangelium auch ein Beispiel dafür, dass es schon immer so war.
Wenn wir uns die Frage stellen, warum erzählt der Evangelist Johannes von dieser nicht gelungener Kommunikation, dann könnten wir auf folgende Idee als Antwort kommen. 
Auch im Bereich des Glaubens gibt es immer wieder diese Momente, die ich nicht verstehe.
Zum Beispiel: Warum trifft mich dieses Leid, diese Krankheit, dieser Schicksalsschlag?
Warum haben die eher Gleichgültigen und Gott nicht besonders Dankbaren zuweilen mehr Glück, Gewinn und Erfolg als jene, die auf eine innige Beziehung mit Gott bedacht sind?
Diese Fragen stellen sich uns und machen uns das Leben schwer.
Johannes möchte den Gläubigen seiner Gemeinde sagen: 
Handelt nicht wie viele Menschen damals, die sich von Jesus abwandten, weil sie ihn zunächst nicht verstanden. Nehmt euch das Beispiel der Jünger zu Herzen.
Obwohl auch sie Jesus in manchem nicht verstanden, blieben sie bei ihm, weil sie den Geist und die Kräfte spürten, die von Jesus ausgingen. 
Die Gesinnung, die Jesus bestimmte, seine Liebe, die keine Grenzen kannte, das Erbarmen, das er selbst denen schenkte,
die es nach dem Urteil ihrer Mitmenschen nicht verdienten, ließen die Jünger spüren und erahnen, dass ihnen in Jesus mehr als nur ein netter und besonders liebenswürdiger Mensch begegnet war.
Petrus drückt es aus mit den Worten: Du bist der Heilige Gottes. 
Die Jünger bleiben nicht bei Jesus, weil sie im Gegensatz zu denen, die weg gingen, Jesus besser verstanden hätten.
Sie bleiben, weil sie sich im Herzen an den gebunden haben, von dem Geist und Leben ausströmt – und dieses Angebot > Worte des Lebens < zu hören, ist auch uns geschenkt ...

 Stephan Hartmann, Dekan

­